Es muß nicht immer HD sein!







Ich möchte an dieser Stelle über eine Erkrankung der Wirbelsäule berichten, an der unser Rüde Paig erkrankt war. Es handelt sich dabei um das Cauda-Equina-Kompessions- syndrom (CEK). Die ersten Symptome zeigten sich Ende August vergangenen Jahres. An einem warmen Sommerabend machten wir mit unseren Hunden Ronja und Paig eine Radtour. Unsere Hunde sind solche Touren durchaus gewohnt und deshalb fiel uns bei Paig sofort auf, daß er nicht vom Trab in den Galopp überging. Wir fanden dies äußerst merkwürdig, passten unsere Geschwindigkeit der Seinigen an und sahen zu, daß wir wieder nach Hause kamen. An den nächsten beiden Tagen wurde auffällig, daß er das Kommando "Sitz" nur widerwillig befolgt, was nun ganz und gar nicht seine gewohnte Art war. Am darauf folgenden Wochenende stand unser Zwingerinternes Grillfest auf dem Programm. Wir nahmen Paig mit zu dem Treffen. Anfangs spielte und tobte Paig ausgiebig mit den anderen Hunden, doch es dauerte nicht lange und er lag nur noch unter der Bank und war für nichts mehr zu begeistern. Am darauf folgenden Tag fuhren wir mit Paig zum Tierarzt. Ein Borelliose-Test wurde abgenommen, der sich jedoch als negativ erwies. Eine Röntgenaufnahme der Hüfte erklärte seine Beschwerden auch nicht. Wir bekamen vom Tierarzt die Order den Hund weiter zu beobachten und ihn etwas zu schonen. Zwei Tage später sorgte ein ganz anderer Umstand dafür, daß wir die Tierklinik in Brezenheim aufsuchten. Die linke Gesichtshälfte von Paig war über Nacht doppelt so dick angeschwollen. Der arme Hund sah aus wie ein Monster. In der Klinik bekam Paig hochdosiert Cortison und die Schwellung ging auch sofort wieder zurück (Insektenstich-Allergie). Bei diesen Klinikbesuch sprachen wir mit dem dortigen Arzt auch über Paig`s Mobilitätsprobleme. Paig wurde nach einer neuerlichem Röntgen einer gründlichen orthopädischen Untersuchung unterzogen und wir bekamen die Verdachts- diagnose CEK. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung der Wirbelsäule im unteren Lendenbereich.. Hier ist an einer Stelle das Dach eines Wirbelkörpers so verdickt, daß es auf Nervenstränge drückt und diese komprimiert. Das Ergebnis sind Sensibilitäts- störungen bis hin zu Lähmungen, je nach Schweregrad der Erkrankung. Im Anfangs- stadium bemerkt man beim Hund ein Schleifen der Hinterhandkrallen auf hartem Untergrund. In der Regel werden davon ältere Hunde befallen. Der Arzt war sehr erstaunt über die Tatsache, daß Paig gerade mal knapp drei Jahre ist. Er sagte uns, daß Paig in diesem Falle seine Jugend sehr zu Gute kommt und die Aussicht auf eine erfolg-reiche Operation sehr gut sei. Wir wurden über die Technik der Operation informiert und daß vor der OP noch eine Myelographie (Kontrastmitteldarstellung des Wirbelkanals) anstehe, um zu sehen, wo genau die Engstelle lokalisiert ist. An der Engstelle wird dann bei der Operation das Dach des Wirbelkörpers entfernt und die Nerven frei gelegt. Später überdeckt die Muskulatur den gesamten Bereich und sorgt für Stabilität. Nach einer gewissen Schonzeit sollte der Hund wieder seine volle Mobilität haben. Wir stimmten der Operation zu und es wurde ein Termin vereinbart. Am Tag des Eingriffes brachte meine Frau Paig in die Klinik. Wir hatten mit dem behandelnden Arzt besprochen, daß wir nachmittags anrufen konnten und man uns Auskunft über den Verlauf der Operation geben würde. Wir erfuhren, daß der Eingriff günstig verlaufen sei und wir Paig am nächsten Tag abholen sollten. Mit diversen Ratschlägen bezüglich der Wundversorgung und der notwendigen Schonzeit wurde uns ein schwanzwedelnder Paig übergeben. Uns fiel ein Stein vom Herzen, Paig so freudig auf den Beinen zu sehen.
Er hatte eine etwa DIN A4 großes rasiertes Areal auf der Kruppe mit einer mit mehren Stichen genähte, ca. 15 cm lange Operationswunde. Auf dem Hinterkopf war eine kleine Stelle ebenfalls kahlrasiert. Es handelte sich hierbei um die Punktions-Stelle für die Myelographie. Zum Schutz der Naht bekam Paig, wenn er nicht unter Beobachtung war, eine Hals- krause angelegt. Mehrmals täglich haben wir eine Juckreizstillende Tinktur aufge-tragen. Gassigehen fand über 6 Wochen fast ausschließlich an der Leine statt. Selbstverständlich mußte er für diesen Zeitraum auch von Ronja und Una getrennt werden.
Es war erstaunlich, welche Lebensfreude Paig schon in den ersten Tagen nach der Operation wieder ausstrahlte. Er schien absolut keine Beschwerden mehr zu haben. Nach 14 Tagen wurden in der Klinik die Fäden gezogen und der Heilungsprozess abschließend beurteilt. Alle, wir einge-schlossen, waren sehr froh über den positiven Verlauf. Paig wurde noch ein paar Wochen geschont, heute gallopiert er spritziger denn je über die Wiesen und Felder und nur das zögerlich wachsende Fell erinnert noch ein wenig an sorgenvolle Tage.
In diesem Zusammenhang wurde in der Tierklinik festgestellt, daß Paig´s Hüfte einwandfrei ist. Diese Diagnose stand im krassen Gegensatz zur HD-Röntgen-untersuchung vor zwei Jahren bei einem anderen Tierarzt, der eine mittelgradige HD gesehen haben wollte. Ich für meinen Teil habe daraus gelernt, HD Untersuchungen nur noch bei aner-kannten Spezialisten machen zu lassen, denn Fehldiagnosen ziehen Fehlbe-handlungen nach sich, welche wiederum häufig unangenehme Nebenwirkungen haben. unangenehme Nebenwirkungen haben.
Ich kann nur jedem Tierbesitzer raten sich nicht nur mit einem Tierarzt zu begnügen, sondern sich nach Möglichkeit mehrere Tierärzte anzuschauen. Mit der Zeit kriegt man dann schon mit, wo die Stärken des Einen und die Schwächen des Anderen liegen. Es kann auch nichts schaden, sich ein gewisses Grundwissen an Medizin durch Fachliteratur anzueignen um Diagnosen und Behandlungsweisen hinterfragen zu können.


Wolfgang Fellmende März 2001