1995 zogen wir in das Haus meiner Schwiegermutter am Ortsrand von Wackernheim. Die schöne Lage und das große Grundstück führten dazu, daß wir unseren Wunsch nach einem Hund endlich erfüllen konnten. Nachdem wir uns beide auf die Rasse geeinigt hatten, besuchten wir in der Folgezeit zwei Züchter um uns über die Hunde zu informieren. Als wir den weissen Schäferhunden zum ersten Mal leibhaftig gegenüber standen, war es augenblicklich um uns geschehen. Uns war sofort klar, daß diese Rasse die richtige für uns war. Wir bekamen von den Züchtern, die wir besuchten, eine Unmenge an Informationen. Wir entschlossen uns in der Zuchtstätte "von Burg Drachenfels" einen Welpen vorzubestellen. Es war klar, daß es eine Hündin sein soll und sie Ronja heißen würde. In Vorfreude auf unser zukünftiges Hundebaby, planten wir alsbald unseren Urlaub für den Zeitraum wenn wir Ronja abholen würden. Mitte Februar kam der ersehnte Anruf von Frau Rapp, daß die Babys auf der Welt sind und eine Hündin für uns dabei sei. Zum ersten Mal durften wir Ronja besuchen, als sie dreieinhalb Wochen alt war. Es war ein überwältigender Anblick, wie Ronja mit ihren beiden Brüdern in der Wurfkiste kuschelte. Im Alter von 8 Wochen holten wir Ronja
zu uns nach Hause. In den folgenden Tagen und Wochen stand Ronja absolut im Mittelpunkt unseres Geschehens. Stolz präsentierten wir all unseren Verwandten und Bekannten unser neues Familienmitglied. Wir schleppten sie überall mit und so bekam sie die beste Sozialisation mit, die man sich vorstellen kann. Es zeigte sich sehr schnell, über welch ausgesprochen tolles Wesen unser Mädchen verfügte. Sie war eine absolute Draufgängerin, die mit allen Situationen spielend fertig wurde. Angst war ihr ein Fremdwort. Alle Fremden wurden schwanzwedelnd begrüßt und im Umgang mit Artgenossen verhielt sie sich ausgesprochen dominant. Die Arbeit auf dem Hundeplatz machte ihr einen Heidenspass und so war es nicht verwunderlich, daß sie im Alter von 11 Monaten die Begleithundprüfung mit Bravour bestand. Zu diesem Zeitpunkt etwa erfuhren wir von einer Ausstellung für Weisse Schäferhunde, welche ganz in unserer Nähe stattfand. Interessehalber wollten wir mal hinfahren und schauen, was man von unserer Ronja so hält. Ronja belegte bei dieser Ausstellung den dritten Platz,
und wir waren mächtig stolz auf sie. Wir waren aber auch begeistert von dem sehr angenehmen Flair dieser Ausstellung. Es sollten weitere Ausstellungen für Ronja folgen. Viele erste Plätze und Belobigungen von verschiedenen Richtern ließen bei uns irgendwann den Wunsch auf Nachwuchs bei Ronja aufkommen. Wir waren uns jedoch einig darüber, dass wir das Ganze nur durchziehen würden mit dem erforderlichen Know-How. Wir traten damals dem 1.DZV bei. Nach eingehendem Studium diverser Fachbücher absolvierte ich im Juli 1998 die Züchterprüfung. Ein Zuchtwart des Vereines besuchte uns und vergewisserte sich, daß die Hundehaltung und die Aufzuchtbedingungen den Vorgaben entsprachen. Vor Ronja's erstem Wurf machten wir uns intensiv Gedanken über unsere Vorstellung von Hundezucht. Wir haben uns mehrere Punkte festgelegt, welche unsere Zuchtprinzipien dokumentieren.
1. Anerkennung von geltenden Zuchtrichtlinien.
2. Verpaarung von gesunden Hunden ( Keine Verpaarung von Hunden welche einen HD Befund schlechter als B1 haben )
3. Keine Inzuchtverpaarung.
4. Vermittlung der Welpen in liebevolle Hände ( Welpeninteressenten abweisen, wenn Zweifel bestehen ).
5.Wir wollen nie mehr als 4 Hunde gleichzeitig halten damit wir dem einzelnen Hund noch gerecht werden können.
6. Jeder alte Hund darf bei uns seinen Lebensabend genießen
Im Frühjahr 1999 war es schließlich soweit. Ronja wurde läufig und am 10 Tag war sie in der Standhitze. Der Deckakt ging reibungslos von statten und so mußten wir nun noch 63 Tage auf das Ergebnis warten. Während dieser Zeit stand Ronja unter verschärfter Beobachtung. Jede kleine Veränderung in und an ihr wurde akribisch zur Kenntnis genommen. Am 35. Tag der Trächtigkeit ließen wir beim Tierarzt einen Ultraschall machen um letztendlich Gewissheit zu haben. Das Bild zeigte werdendes Leben in Ronja's Bauch. In den nächsten tagen nahm Ronja nun auch deutlich an Leibesfülle zu und ihre Aktivitäten merklich träger. Ein Woche vor dem errechneten Wurftermin baute ich die Wurfkiste auf und bereitete den Wurfraum vor. Am Abend vor der Geburt machte es sich Ronja zum ersten Mal in der Wurfkiste gemütlich und in der Nacht darauf wurde sie zunehmend unruhig. Gegen ca 6 Uhr in der Früh war schließlich der erste Welpe da. Ich glaube, ich war aufgeregter als Ronja. Sie erledigte das Abnabeln und das Ablecken des Welpen mit erstaunlicher Sicherheit.
In der Folgezeit kamen in regelmäßigen Abständen noch weitere vier Welpen, die auch alle gesund und munter waren. Ronja zeigte sich in der nächsten Zeit als eine liebevolle Mutter, die sich sehr um ihre Babys sorgte. Auch in den nächsten Jahren war es immer wieder schön zu sehen, wie sicher sie mit den Welpen umgeht Füt mich war sowoh die erste, als auch all anderen Geburten immer etwas ganz Besonderes. Einen neugeborenen Welpen in der Hand zu halten wenn er sein Mäulchen öffnet und nach der Milchbar seiner Mama sucht ist immer wieder aufs Neue ein Wunder der Natur. Mir wurde sehr schnell klar, daß die Welpenaufzucht fortan meine Passion sein sollte.
Seit einigen Jahren haben wir im 1.WS-Einheit unsere züchterische Heimat gefunden. Ein Verein mit sehr großer Tradition, der sich dem Wohl des weissen Schäferhundes verschrieben hat. Eine VDH Mitgliedschaft ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt für uns kein Thema, da die VDH Richtlinien unserer Ansicht nach zu lasch sind und so schwarzen Schafen in der Zuchtgemeinde Instrumente an die Hand geben, Zucht zu kommerzialisieren, zu Lasten der Hunde.


by Wolfgang Fellmende 9/2004